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«Ich möchte zuerst Herrn Hurka danken, dass er es mir möglich macht, Ihnen heute Abend mein Buch vorzustellen. Der Titel entstammt bekanntlich einer ...»

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Diese Deutung ist schon darum ein Fehlgriff, weil das kultische Opfer reine Heteronomie ist. Das habe ich soeben gezeigt und das würde schon reichen um diese Deutung zurückzuweisen. Aber sie ist auch noch ein Fehlgriff, sogar selbst wenn man vormodern denkt, weil die Deutung des Kreuzestodes Jesu als kultisches Opfer eine ähnliche Deutung der Eucharistie von vornherein ausschließt. Das Kreuzesopfer soll nämlich ein Opfer von unendlichem Wert gewesen sein – heißt es – das ein für alle Mal die Sünden getilgt und uns mit Gott versöhnt hat. Dann bedarf es auch keiner Ergänzung durch andere Opfer mehr und erträgt diese nicht einmal. Dennoch unterstreicht das Konzil von Trient mit Kraft, dass die Eucharistie ein wirkliches Opfer ist, und zwar ein Opfer von unendlichem Wert und die ganze Messliturgie ist von Opfertheologie durchtränkt.

Und der Vatikan fordert immer wieder, dass man die Eucharistie so deutet und nur so deutet und nicht um Haaresbreite von dieser Deutung abweicht.

Das Konzil von Trient hat schon das Problem der zwei Opfer erkannt und hat versucht sich zu retten, indem es das Messopfer nicht ein anderes Opfer, sondern die repraesentatio des Kreuzesopfers nannte. Aber was meinte es mit diesem Wort? Etwas wie „Gegenwärtigmachung“? Aber ein historisches Ereignis wie der Tod Jesu ist wesentlich zeit- und ortsgebunden, gehört zu einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort und kann daraus nicht weggeholt und in eine andere Zeit und einen anderen Ort überführt werden. Und wenn es Darstellung, fast Vorführung, Aufführung bedeuten sollte, etwas wie ein Bühnenstück, hört es auf ein wirkliches Opfer zu sein. In der Volkstheologie ist jener neblige Begriff repraesentatio des Kreuzesopfers dann als Wiederholung oder Erneuerung des Kreuzesopfers aufgefasst geworden. Das war zwar deutlicher, ist aber undenkbar. Was absolut einmalig ist schließt Wiederholung aus. Und was Jesus damals getan hat, braucht nie erneuert, aufgefrischt, renoviert zu werden. Es verliert nie seinen Wert.

Außerdem, wenn das Messopfer ein Opfer von unendlichem Wert ist, braucht es doch nicht täglich unzählige Male wiederholt zu werden? Einmal unendlich oder eine Million Mal unendlich ist mathematisch doch genau dasselbe, nämlich unendlich.

Wie soll ein moderner Gläubiger dann wohl die Eucharistie deuten? Als Gedächtnis des Letzten Abendmahles Jesu. Diese Deutung führt uns nicht hinauf in die ätherischen Regionen einer anderen Welt, jenseits jeder existentiellen Erfahrung. Gedenken ist ja etwas innerweltliches und es macht den geliebten Menschen, dessen man mit Wärme und Bewunderung gedenkt, in einem gewissen Sinne präsent. Besonders dann, wenn man seiner selbst und seiner Tat gedenkt, die der Höhepunkt und die Kurzfassung seines Selbstausdrucks ist. Und das war ja doch das Letzte Abendmahl. Diese Präsenz bewegt und ändert etwas in uns, sie erfreut, tröstet, erleuchtet, ermutigt, mahnt uns. Und weil Präsenz immer reale Präsenz ist – oder sie ist einfach keine Präsenz – bleibt man einerseits mit dieser Vorstellung der Tradition der realen Präsenz treu, aber entkommt andererseits dem Treibsand des Materialismus dieser Tradition. Das sollte länger erklärt werden, ebenso wie man mit dieser Deutung der Eucharistie die Sackgasse der vormodernen Lehre der Transsubstantiation vermeidet. Aber ich habe schon zu lange geredet.

Ich möchte enden mit einer ganz wichtigen Bemerkung. Auch mit vormodernen, also heteronomen Vorstellungen kann man tief gläubig sein und ein beispielhafter Christ. Auch Jesus selber dachte heteronom, wie die ganze kirchliche Vergangenheit, und diese ist voll von Figuren die bezüglich Menschlichkeit wahre Riesen sind. Aber wer heute bei der Heteronomie bleibt, verpasst mit seiner Verkündigung den Anschluss an die Modernität. Und das wäre für die moderne Welt eine Katastrophe.

Denn die Modernität bedarf nicht weniger als die Vergangenheit der befreienden Botschaft Jesu.

–  –  –

Roger Lenaers ist 1925 in Ostende an der belgichen Nordseeküste geboren. Er trat 1942 dem Jesuitenorden bei, studierte Philosophie, Theologie und Altphilologie. Als Altphilologe übte er einflussreiche Tätigkeiten auf dem Gebiet der Didaktik der alten Sprachen in Flandern aus. Er wirkte auch an der Überstezung des Kirchenvolks-Begehrens in Belgien mit. Als Theologe war er aktiv im Religionsunterricht am Gymnasium und an der pädagogischen Hochschule, schrieb mehrere Aufsätze und hielt Vorträge über die Folgen der Modernität und der Säkularisation für die katholische Schule. 2001 und 2003 erschienen zwei längere Essays über die Folgen der Modernität für die Kirche als Ganzes und für die Neuformulierung ihrer Glaubenslehre.

Das erregte großes Aufsehen in Flandern. Roger Lenaers verarbeitete anschließend die zwei Essays zu einem Buch, dessen Übersetzung in deutsche Sprache nunmehr vorliegt und in Wien präsentiert wurde. Zurzeit ist P. Lenaers Pfarrer in Vorderhornbach, Tirol.

Das Buch von Roger Lenaers kann über die Plattform „Wir sind Kirche“, Hans Peter Hurka, per Telefon: 0650/315 42 00 oder über Internet: www.wir-sind-kirche.at oder per e-mail: hans_peter.hurka@gmx.at bezogen werden.

Dieser Vortrag wurde am 23. September 2008 auf Einladung von „Wir sind Kirche“ bei der Buchpräsentation in Wien, Pfarre St. Gertrud/Währing, vom Autor gehalten.



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